Europäer wollen Simsen und Messagen

Mit freundlicher Erlaubnis von Netzwoche (E-Paper), Ausgabe 7 vom 21.02.07. Nachfolgend der Inhalt eines Interviews mit Thomas Husson (Jupiter Research) und
Christian Weishaupt (Netzwoche).

Die Umsätze mit mobilen Daten werden wohl nicht so stark wachsen, wie einige erwarteten. Dies ergab eine Studie von Jupiter Research. Warum dies so ist,wollte die Netzwoche von Thomas Husson, Autor der Studie, erfahren.

Europäer werden 2011 insgesamt 28 Milliarden Euro für Mobile Content, Services and Messaging ausgegeben. Dies ist das Ergebnis einer aktuellen Studie des US-Marktforschers Jupiter Research. Im Rahmen des European Mobile Forecast (2006 to 2011) wurden Frankreich, Grossbritannien, Irland, Spanien, Portugal, Griechenland, Italien, die Niederlande, Belgien, Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark, Deutschland, Österreich, die Schweiz und Luxemburg untersucht. Der grösste Teil der Umsätze wird 2011 noch immer mit Messaging generiert, auch wenn die Ausgaben für Inhalte und Dienste massiv steigen werden. Nicht miteinbezogen wurden die Daten-Traffic-Umsätze.

Insgesamt soll der Umsatz mit mobilen Inhalten, Services und Messaging von 21,9 Milliarden Euro 2006 auf 27,7 Milliarden Euro im Jahr 2011 wachsen. Die Ausgaben für Inhalte und Dienste werden in diesem Zeitraum von 2,2 auf 7,9 Milliarden Euro steigen. Die Einnahmen der Mobilfunkanbieter mit MMS, E-Mail und Instant Messaging sollen die Umsatzrückgänge bei SMS mehr als ausgleichen. Bei den übrigen Angeboten werden vor allem Video und TV, Spiele und Musik stark an Attraktivität gewinnen. Die Autoren der Studie gehen davon aus, dass Mobile Services innerhalb der nächsten fünf Jahre noch keinen Massenmarkt darstellen werden – sprich: Eine Penetrationsrate vonber 50 Prozent erreichen. Einige Teilbereiche, wie MMS oder Messaging, könnten diese Hürde jedoch nehmen.

Herr Husson, die Mobilfunkbranche geht in der Regel von einem schnelleren Wachstum des Geschäfts mit mobilen Inhalten aus. Wie ist die Diskrepanz zwischen Ihren Resultaten und diesen Erwartungen zu erklären? Immerhin prognostizieren wir ein signifikantes Wachstum von 2,2 auf 7,9 Milliarden Euro.

Aber es ist richtig, dass dies nicht alle Erwartungen der Industrie erfüllt. Wir glauben schlicht an langsameres Wachstum und dass es noch Hürden gibt, die auf dem Weg zum Mainstream genommen werden müssen. Einige Dienste werden sich einer hohen Adaptionsrate erfreuen, aber die Konsumenten werden nicht für alle etwas bezahlen.

Bis wann rechnen Sie damit, dass mobile Inhalte Mainstream sein werden?
Dies ist zum jetzigen Zeitpunkt schwierig abzuschätzen, möglicherweise innerhalb der nächsten zehn Jahre. Man darf nicht vergessen, dass GSM die Technologie war, die sich schneller als jede andere weltweit durchgesetzt hat – daher auch die hohen Erwartungen. GSM hatte in einigen europäischen Ländern innert 10 bis 15 Jahren an die 100 Prozent Verbreitung erreicht. Bei mobilen Diensten ist es ein bisschen komplizierter. Personalisierungsangebote wie Klingeltöne, Logos und Themes fürs Handy beispielsweise werden niemals ihr Nischen-Dasein verlassen. Services wie Musik oder TV haben zwar das Potenzial zum Massenmarkt, es ist aber längst nicht sicher, dass dieser für diese Dienste separat bezahlen wird.

Gerade TV und Video haben sich auf dem Handy aber bisher kaum durchgesetzt. Warum fällt den Carriern nichts anderes ein, als dies weiter zu promoten?

Die Carrier nutzen TV oft als Marketingtool für die von ihnen subventionierten UMTS-Handys. Wenn die Kunden ein UMTS-Handy besitzen, ist die Wahrscheinlichkeit auch grösser, dass sie andere Services wie Mobile Gaming oder Videotelefonie nutzen werden, die höhere Bandbreiten benötigen.

Welche Video-Inhalte werden vorwiegend konsumiert: News, Unterhaltung, Sex?

Definitiv Erotik und Sex. Dies ist auch ein guter Indikator dafür, dass sich der Markt noch in einem frühen Stadium befindet. Auch im Internet lag Adult Content an der Spitze, als das Medium noch jung war. Abgesehen davon sind das solche Inhalte, für die die Nutzer wirklich bereit sind, zu zahlen – und zwar durchaus sehr hohe Preise. Offenbar glauben viele Nutzer, je teurer diese Inhalte sind, desto besser sind sie auch.

Gab es generell grössere Unterschiede zwischen den einzelnen untersuchten Ländern bezüglich des Nutzerverhaltens?

Ja. Beispielsweise legen die nordischen Länder Schweden, Norwegen, Finnland und Dänemark, aber auch Grossbritannien ein intensiveres Nutzungsverhalten an den Tag als andere Länder. Dafür gibt es mehrere Erklärungen. Zum einen neigen die Konsumenten generell dazu, neue Technologien schneller anzunehmen. Zum anderen herrschen dort ein dynamischerer Markt und ein härterer Wettbewerb zwischen den verschiedenen Playern als in anderen Ländern.

Ist in den nordischen Ländern auch die 3G-Penetration höher als im übrigen Europa?

Nein. Das Land mit der höchsten 3GPenetration ist Italien, gefolgt von Grossbritannien.